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Sebastian Riedi

Tod durch Komitee

13 September , 2017 Sebastian Riedi

Wenn Komitees über Details entscheiden und sich dabei auf unzureichende Informationen verlassen wird ein Projekt zur Totgeburt mit künstlicher Lebenserhaltung. Denn das Komitee tendiert immer zum kleinsten gemeinsamen Nenner.

Zu Spitz formuliert?

Die Muster von grösseren Betrieben wiederholen sich sehr oft: Die Projektleiter informieren in regelmässigen Abständen ein leitendes Komitee. Sei es die Geschäftsleitung, der Kunde oder das interne Board of Innovation, Digitalization and Fancynameing.

Während dieses Meetings erklärt der Projektleiter den aktuellen Status der Arbeiten. Was ist getan? Was muss noch getan werden? Wo liegen die Probleme? (Wobei ich mal gelernt habe, dass es keine Probleme, sondern nur „andere“ Situationen gibt.) Ein gutes Komitee fragt interessiert nach und versucht anhand des Berichts des Projektleiters die elementaren Zeitverhältnisse und Ressourcen des Projektes zu erfassen, Sie vertrauen dabei auf die Fähigkeit des Projektleiters die Zeitplanung und das Ressourcen-Management im Griff zu haben.

Soweit die Idealform. Doch es kann auch anders kommen: Das Komitee stellt suggestive Fragen und entscheidet bereits nach wenigen Worten, wie es weiter Vorgehen möchte. Das Meeting weicht vom Ablauf ab und geht über Stock und Stein.

Das Komitee versucht nun akribisch genau die technischen Details des Projektes, mit allen Rädchen im Blick zu haben und Pi-mal-Daumen eine eigene Einschätzung für Aufwände abgeben zu können und Optimierungspotenzial zu erkennen. Der Projektleiter wird zum Infomännchen. Das Komitee misstraut Ihm und seinem Team das richtige zu tun.

 

  • Der Meetingroom, Tatort des Todes durch Komitee

Das Micro-Management Komitee

Micro-Management wird oft als Talent gesehen, doch gerade in komplexen Zusammenhängen oder technisch umfangreichen Umgebungen sind nur sehr wenige Persönlichkeiten in der Lage sinnvolles Micro-Management zu betreiben. Dabei sei Vorsicht geboten: Stichwort Dunning-Kruger-Effekt.
Zu oft ist Halbwissen gefährlicher als Ahnungslosigkeit.

 

Das Nicht-Entscheider Komitee

Erschwerend kommt hinzu, dass das Komitee keine Entscheidungen trifft, die nicht mindestens in 3 wöchentlichen Meetings mit den gleichen Informationen diskutiert worden sind.

Man entscheidet sich deshalb diese Entscheidung vorerst zu vertagen, bis man entschieden hat, wann diese Entscheidung entschieden werden soll, damit man im entscheidenden Moment entschieden reagieren kann.

Der grösste Fehler von Entscheidern ist ein „Nicht-Entscheiden“. Schlimm genug, dass ein Komitee versucht auf Umsetzungs-Details Einfluss zu nehmen; verheerend, wenn dies auch noch langsam geschieht.

 

Das Definition Komitee

Ein beliebtes Anti-Muster in Projektarbeiten ist das sogenannte „Feature-Cree“: Man ändert ständig die Anforderungen an ein Produkt. Missverständnisse oder unterschiedliche Auffassungen oder auch Unsicherheit sind für diese Praxis verantwortlich zu machen. Das unsichere Komitee krallt sich an jedem Input von aussen und will alle Verbesserungen

 

Die Wurzel

Wie schnell haben wir eine Meinung zu einem Thema und wie schnell sind wir davon überzeugt, dass unsere Meinung die Richtige ist? Sekunden.
Jeder neigt dazu die eigene Idee, als Teil seiner selbst zu sehen. Das Komitee als „Wesen“ verkörpert diese Muster und fügt ihnen noch eine weitere Dimension hinzu:

Das Bedürfnis von Selbstbestätigung. Das Komitee will so lange diskutieren, bis man sich auf den kleinsten gemeinsamen Nenner geeinigt hat.
Denn das worauf sich alle einigen können, kann ja nicht falsch sein.
Meist sind diese Komitees aber auch bereits von karrieristischer Stille beherrscht.

Sag nichts; komm weiter.

Komitees sind ein hervorragendes Mittel zur Verwaltung und Erhaltung. Gelegentliche Innovation ist dabei eher ein Glückstreffer, als ein Produkt des synchronisierten Diskurses.

Wer den Tod durch das Komitee vermeiden will, muss Vertrauen schaffen, das Individuum betonen und vor allem gut zuhören.

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