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Sebastian Riedi

LÄRM in der Filterblase

14 April , 2017 Sebastian Riedi

Uninteressant. So lässt sich die Mehrheit der Social Media Postings, die ich in meinem Facebook-Feed finde zusammenfassen. Selbst schuld; man entscheidet ja selber mit wem man befreundet ist und welche Seiten man liked. Filterblase ist doch Wort des Jahres. Der eigene YouTube-Feed, die Amazon Shoppingvorschläge und die Google AdSense Werbung, alles basiert auf dem eigenen Verhalten, den eigenen Suchanfragen und Sehgewohnheiten.

Aber auch der hundertste Werbespot für Game of War und der tausendste Post von Meme-Videos ändert meine Einstellung nicht.
Ich gebe Feedback: sage Google, dass mich Game of War nicht interessiert und ich filtere die Facebook-Page von «Hoch die Hände Wochenende XD»

Immer mehr empfinde ich dieses konstante Bombardement tausender multimedialen Wellen im Schall und elektromagnetischen Spektrum als Lärm. Obwohl ich allen Algorithmen immer wieder zu erklären versuche was mich interessiert und was eben nicht scheint es fast so, als sei ich Filter-Inkompatibel geworden. Meine Filterblase gefällt mir nicht.

Leute die X mögen werden Y lieben. Die Masse an Informationen mach diese Filterung notwendig. Ein gutes Beispiel in dieser Hinsicht ist YouTube. In den frühen 2010er war der Ausgangspunkt vieler meiner Entdeckungstouren die Kategorien der Startseite. Die Startseite galt damals dem gesamten Deutschen Sprachraum. Videos mit vielen Views, Kommentaren und Reaktionen erhielten diese obersten Plätze in den Kategorien. Viele der heute bekannten Namen im Webvideo-Buises starteten erst mit einem Video auf der Startseite richtig so durch.

Das System war weit weg von einer optimalen Lösung und wurde immer wieder schwer missbraucht. Falsche Überschriften, irreführende Vorschaubilder oder einfach Spam.
Mit den Updates unter dem Codenamen Cosmic Panda integrierte YouTube die Kategorien in die Kanalstruktur und machte aus den Kategorien abonnierbare Kanäle.

Das war auf Grund der immer grösseren Masse an Content und dem zunehmenden «Lärm» der vielen Inhalte ein durchaus nachvollziehbarer Schritt. Doch dadurch, dass die Videovorschläge sich nun hauptsächlich an den Sehgewohnheiten des Nutzers orientiert nahm man dem Nutzer auch ein gewisses Mass an Entdeckungslust.

die Melodie im Lärm finden

Der Lärm nimmt zu. Ich denke nicht, dass mich die Flut überfordert, doch trotz «Filterblase» ist es ab und zu mühsam die richtige Melodie im Lärm zu finden.

Vor einigen Jahren erarbeiten wir mit der SBW Neue Medien AG mit einem Studiengang FHS St.Gallen an einem künstlerischen Projekt zum Tag der Langsamkeit am 19. Februar. Das Projekt «Overkill» versuchte die Gesellschaft ein wenig zu entschleunigen und auf die Informationsüberflutung aufmerksam zu machen. In den sieben Jahren seit diesem Projekt hat sich die Flut der Information zwar dank Filter und nutzerbezogener Daten verändert aber keineswegs verringert. Hinter dem statischen Rauschen der Informationen geht das Bild manchmal verloren.

Doch der Lärm ist keine Bedrohung, sondern eine Chance. Im Fluss des durchschnittlichen und gewöhnlichen sehnt man sich nach der Abwechslung.

 

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